Wenn es um sexuell übertragbare Infektionen geht, denken viele Menschen zuerst an HIV oder HPV. Chlamydien werden dagegen oft unterschätzt – obwohl sie zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen weltweit gehören.
Das Problem: Viele Betroffene merken lange Zeit überhaupt nichts von einer Infektion. Genau das macht Chlamydien so tückisch. Die Bakterien können über Monate oder sogar Jahre unbemerkt im Körper bleiben und dabei trotzdem weitergegeben werden.
Expertinnen schätzen, dass es in Deutschland jedes Jahr etwa 300.000 bis 500.000 Neuinfektionen gibt. Da Chlamydien-Infektionen hierzulande jedoch nicht meldepflichtig sind, wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Viele Infektionen werden nie diagnostiziert oder erst sehr spät entdeckt.
Was sind Chlamydien?
Chlamydien sind Bakterien. In Deutschland ist vor allem die Art Chlamydia trachomatis verbreitet. Die Erreger befallen hauptsächlich die Schleimhäute im Genital- und Harnbereich und werden in den meisten Fällen beim sexuellen Kontakt übertragen.
Dazu zählen:
- Vaginalverkehr
- Oralverkehr
- Analverkehr
Eine Übertragung kann über Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Vaginalsekret erfolgen, aber auch über infizierte Schleimhäute. Bereits ein einzelner ungeschützter Kontakt kann ausreichen, um sich anzustecken.
Chlamydien unbehandelt gefährlich
Bleiben Chlamydien unbehandelt, können sie langfristig ernsthafte gesundheitliche Folgen verursachen.
Bei Frauen können sich die Bakterien auf Gebärmutter, Eileiter und andere innere Geschlechtsorgane ausbreiten. Dort können Entzündungen entstehen, die zu Vernarbungen oder Verklebungen der Eileiter führen.
Mögliche Folgen sind unter anderem:
- chronische Unterleibsschmerzen
- Eileiterschwangerschaften
- unerfüllter Kinderwunsch
- Unfruchtbarkeit
Prof. Dr. Michael Eichbaum (Gynäkologe an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden) erklärt , dass bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch im Rahmen weiterer Untersuchungen häufig verklebte Eileiter festgestellt werden – ein möglicher Hinweis auf eine frühere, unerkannte Chlamydien-Infektion.
Auch Männer können Komplikationen entwickeln, beispielsweise Entzündungen der Nebenhoden oder der Prostata.
Wichtig zu wissen: Nicht jede unbehandelte Infektion führt automatisch zu schweren Folgeschäden. Das Risiko steigt jedoch deutlich, wenn Chlamydien über längere Zeit unerkannt bleiben.
Wann auf Chlamydien testen?
Ein Chlamydien-Test ist unkompliziert möglich – meist über einen Urintest oder einen Abstrich.
Besonders sinnvoll kann ein Test sein bei:
- wechselnden Sexualpartner*innen
- ungeschütztem Geschlechtsverkehr
- Beschwerden im Intimbereich
- Kinderwunsch
- nach einem Risikokontakt
- anderen diagnostizierten STI
- während der Schwangerschaft
Frauen unter 25 Jahren haben in Deutschland außerdem einmal jährlich Anspruch auf ein kostenloses Chlamydien-Screening bei ihrer/ihrem Gynäkolog*in.
Neben Arztpraxen und Gesundheitsämtern nutzen mittlerweile viele Menschen auch diskrete Selbsttests für Zuhause. Gerade für Personen, die Hemmungen vor einem Praxisbesuch haben oder sich unkompliziert testen möchten, kann das eine niedrigschwellige Möglichkeit sein, die eigene sexuelle Gesundheit im Blick zu behalten. Entsprechende Schnelltest für Zuhause gibt es auch bei uns im Shop – Chlamydien Schnelltest.